Guten Morgen Peter,

diesem „Herumbeckmessern’ kann ich voll zustimmen. Ich glaube aber, dass die meisten (zumindest die systemisch denkenden) Berater mit der These der Ausgeschlossenheit der Psychen gar nicht so große Probleme haben, da wir (ja ich bin auch einer von diesen) in der Praxis täglich vor Augen geführt bekommen, dass ein psychisches Wollen noch gar nichts bewegt. Wenn meine Mitteilungsäußerungen keine Relevanz in der organisationalen Kommunikation besitzen, dann passiert halt nichts von dem, was ich mir psychisch wünschen würde. Da sind wir auch gleich wieder bei dem Punkt der Relevanz bzw. formaler, dem der Mitgliedschaft. Damit ich als Berater überhaupt mit einer Organisation in Wechselwirkung treten kann, brauche ich eine Art Quasi-Mitgliedschaft auf Zeit. D.h. ich muss einen Vertrag erhalten und dieser muss beschreiben, dass ich für bestimmte Themen und für eine gewisse Zeit, wie eine Art Mitglied der Organisation zu behandeln bin. Mit Hilfe eines solchen Arrangements wird also so etwas wie eine konditionierte Koproduktionsmöglichkeit etabliert, welche dann als Basis für Beratungsgeschehen dienen kann. In dieser Sichtweise auf Beratung zeigt sich auch gleich eine Gefahr. Wenn diese Verbindung zur Dauereinrichtung wird, dann verliert der Berater häufig sein Irritationspotential und wird quasi assimiliert. Daher müssen Berater auch immer wieder gehen und ihre Quasi-Mitgliedschaften auflösen. Interessant erscheint mir hier auch noch der Punkt, dass ich in den letzten Jahren eine starke Veränderung in der Anbahnung derartiger Verträge erlebe. Sie werden immer stärker formalisiert und vor allem immer häufiger über den Einkauf von Organisationen gesteuert. Hier könnte man fragen, welche Funktion diese Disziplinierung in der Anbahnung von Quasi-Mitgliedschaften hat. Ich vermute, es geht hier um so etwas wie eine Irritationskontrolle, also Komplexitätskontrolle über wirtschaftliche Argumente.